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Stammtisch im Weingut C. A. Haussmann, Traben-Trarbach am 17. August 2021

Nach langer Corona-Pause fand am 17. August 2021 wieder ein Stammtisch statt. Geladen war dieses Mal in die Räumlichkeiten der ehemaligen Kellerei Vollmar in Trarbach, die sich erst seit kurzer Zeit im Besitz von Stefan Stassen befindet, der 2014 das alteingesessene Weingut C.A.Haussmann übernommen hat und am neuen Standort nun ausreichend Platz für seine Pläne zur Entwicklung des Weinguts hat.

Das Anwesen besteht aus dem Kellereigebäude, einem reizvollen Park mit altem Baumbestand und Laube sowie einer Gründerzeit-Villa von 1896, das insgesamt zuvor von dem einheimischen Unternehmer Wolfgang Preuss aufwändig restauriert worden war.

Hans A. Polch begrüßte 31 Weingeschwister wegen regnerischen Wetters unter dem Glasdach der Veranda, gab einen kurzen Abriss des Programmablaufs und stellte den Hausherrn vor. Auch Weinbruder Stassen sprach ein paar Grußworte, erwähnte, dass er nach einer Winzerlehre im Weingut Haussmann auf anderen Feldern tätig war bevor er sich wieder dem Weinfach zuwandte. Dann bat er die Gruppe in den Keller, wo er bei einem Begrüßungssekt auf die Geschichte des Anwesens einging. Die Wein- und Sektkellerei Vollmar war in der großen Zeit des Moselweinhandels um 1890 eine der mittelgroßen Kellereien in Traben-Trarbach. Der Sekt aus dem Königsberg, frühgelesen, war erfrischend mit dezenter Säure und geringem Trinkwiderstand.  

Neben Betontanks aus den 50er-Jahren und Kellerzubehör wie Gitterboxen lagen Fässer mit bemalten Böden, die allerdings nur noch zur Dekoration dienen. Stassen selbst bevorzugt Kaltvergärung mit Vorklärung in Edelstahltanks. Er ist bestrebt, den Betrieb auf acht Hektar zu vergrößern, baut neben Riesling auch ein wenig Rivaner an und hofft, in drei Jahren einen Grauburgunder-Jungfernwein zu ernten. Grundsätzlich produziert er nur Weine, die ihm selbst munden.

Wieder in der Eingangshalle zurück, wird noch auf die neue Vinothek verwiesen, ein schmucker Raum mit kunstvoll designter Theke, die Holz mit einer großen Schiefertafel verbindet.

Wir nahmen dann im Nebenraum Platz, wo die Weinprobe mit drei trockenen Rieslingen begann. In der Folge sollten ausschließlich Rieslinge um die Gunst der versammelten Nasen, Zungen, Gaumen und Kehlen wetteifern.

Ein 2020er Trabener Würzgarten Kabinett mit 11,5%vol. bei 7,1 g/l Säure und 7,5 g/l Restzucker eröffnete den Reigen, gefolgt von einem 2020er Q.b.A mit 12 %vol., 6,7 g/l Säure und 7,6 RZ, ein mineralischer Wein mit feinem Säure-Süße-Spiel und der geschützten Bezeichnung „Schieferjuwel“. 
Dann war eine 2019er Spätlese im Glas, ein Ürziger Würzgarten, in Einzelpfahlerziehung auf rotem Schiefer gewachsen, mit 7,1 g/l Säure, 8,2 g/l RZ und 12%vol. Auch hier die Bezeichnung „Schieferjuwel“. Und als Ergänzung der Probenfolge kam noch eine 2019er trockene Auslese zum Ausschank, mit 110° Oechsle geerntet bei 13%vol. Alkohol. An und für sich ein Widerspruch in sich, denn wozu hat die Natur soviel Zucker in der Traube entstehen lassen, wenn ihr der Kellermeister anschließend allen Zucker wieder austreibt, nur um den Wein alkoholmächtig zu machen? Dennoch – ein interessanter und seltener Wein mit reifen Fruchtnoten, gehaltvoll mit nachhaltigem Abgang. 

Dann hatte die Küche ihren Auftritt. Platten mit feinem Eifelschinken, dekoriert mit Parmesan-Käse und vier Käsesorten aus der belgischen Eifel, zwei Brotsorten und Trauben-Garnitur. Optisch und geschmacklich sehr gut. Lebhafte Fachgespräche kamen auf, der Inhaber eines Weinlabors in Kröv erläuterte Details. Es wurde über Nebenlagen als Gewinner des Klimawandels gesprochen, über die hohe Mineralisation der Schieferböden, die gute Lagerfähigkeit von Rieslingweinen oder der Einzelpfahlerziehung als römisches Erbe.

Die Probe wurde fortgesetzt mit einem 2019er feinherben Riesling-Kabinett mit 7,6 g/l, 18 g/l RZ und 11%vol. aus dem Trarbacher Taubenhaus. Gefolgt von einer 2018er feinherben Riesling-Spätlese aus dem Trabener Würzgarten mit 12%vol., 6,9 g/l Säure und 21 g/l RZ. Ein etwas reiferer Wein, handselektiert mit feinen Riesling-Aromen.

In der Kategorie fruchtsüße Weine kam eine 2020er Trabener Würzgarten Spätlese mit 80 g/l RZ und je 7,5 g/l Säure bzw. Volumenprozent Alkohol zum Ausschank. Ein typischer Moselwein in dem fruchtige Aromen mit spritziger Säure gepaart die pikante Eleganz ergeben, um die südliche Weinerzeuger unsere Region beneiden.

Die Probe krönte am Ende eine 2019er Riesling Auslese „Schieferjuwel“ aus der Trabener Kräuterhaus Steillage, handgelesen und –selektiert, mit exotischen Fruchtaromen und Geschmack nach gelben Früchten. 8%vol, 8,6 g/l Säure und 86,7 g/l Restzucker. Ein perfekter Abschluss einer Probe in würdigem Rahmen – ein Ereignis trinkkultureller Atmosphäre und der Harmonie von auserlesenen Weinen.

Alle Weine waren großzügig in landesüblicher Füllmenge eingeschenkt und von Stefan Stassen fachkundig kommentiert.

Nach der offiziellen Probe, konnte jeder noch von seiner bevorzugten Sorte trinken. Entsprechende Flaschen wurden auf den Tischen verteilt und mit angeregten Gesprächen kam eine angemessen durchfeuchtete Feierabendstimmung auf, bevor gegen Mitternacht der Stammtisch aufgehoben wurde. Ein großer Dank an Stefan Stassen für sein Engagement in der Gastgeberrolle und an Hans A. Polch für die Vorbereitung und Durchführung dieser gelungenen Wiederbelebung der regionalen Stammtisch-Tradition.
 


Karlheinz Haubs

Fotoserien

Stammtisch Hausmann 17.8.21 (DO, 22. Februar 2024)

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