Musische Weinstunde am 16. Juni 2012

Tanzender Weingenuss

Koblenz/Brodenbach: Ein Orgelkonzert, die Fahrt mit der Koblenzer Seilbahn und „der tanzende Wein“ erlebten 70 Weingeschwister der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer anlässlich der musischen Weinstunde in Koblenz und in Brodenbach.

Dieter Schlagkamp, Zeremonienmeister der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer für die Region Terrassenmosel hatte ein außergewöhnliches Programm zusammengestellt. In Koblenz begrüßte er 70 Weingeschwister mit einem Weinempfang im „Café Palais“, einem 1906 palastartig gebauten Jugendstilgebäude. Dort schilderte Manfred Gniffke, ein Koblenzer Urgestein, temperamentvoll und gespickt mit „Kowelenzer Stekkelcher“ in Mundart die Einmaligkeit der Koblenzer Stadtgeschichte. „Unsere Muttersprache muss man pflegen“, sagte Gniffke, „schließlich gehört auch sie zur Kultur und zur Region“.

Nach einem kurzen Spaziergang zur St. Kastor-Basilika gab der Koblenzer Kunsthistoriker Manfred Böckling eine Einführung in die Geschichte und die Bedeutung der Basilika. Das geschichtsträchtige, Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Gotteshaus mit Doppelturmfassade und farbenfrohem Sterngewölbe ist ein hervorragendes Beispiel romanischer Baukunst am Mittelrhein. Irmgard Israel konzertierte an der Orgel, begleitet wurde sie von Thomas Maur mit der Trompete. Sie spielten u.a. Stücke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tag und Leben“. „Es ist bewundernswert, wie einfühlsam sie mit ihren Instrumenten agieren“, freut sich Dieter Schlagkamp.

Das regnerische Wetter tat der guten Stimmung keinen Abbruch und manch geleertes Glas Riesling tat sein Übriges. Und so genossen die Weinfreunde den eindrucksvollen Blick auf Rhein und Mosel bei einer Fahrt mit der Panoramagondel-Seilbahn. Für die leibliche Kultur sorgte ein agiles Team vom Moselhotel Anker in Brodenbach. Freundliche Mitarbeiter servierten ein regionales Drei-Gang-Menue, das von korrespondierenden Weinen ergänzt wurde. Eigens für die Veranstaltung ließ Schlagkamp eine Praline mit Weinbergspfirsich anfertigen.

„Wir Winzer sind bei jeder Geburt des Weines dabei, manchmal leiten wir die Geburt auch ein“, offerierte Schlagkamp den Höhepunkt des Abends. Die Absolventen der Akademie des Tanzes in Mannheim, Anna Schneider, Julia Brochocki und Pascal Schmidt, tanzten die Rebe und den Wein. Die Akademie des Tanzes an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim ist eine der traditionsreichsten Ausbildungsstätten für Tänzer in Deutschland. Das Ballett-Ensemble tanzte die Gärung, wie wilde und gute Hefen einen Kampf beginnen und zeigte die vollendete Verheiratung aller Inhaltsstoffe. Tätigkeiten im Weinberg und im Keller sowie den Wein selbst präsentierten sie teils in experimenteller Improvisation.

Ideengeber Schlagkamp ist begeistert von diesem einmaligen Erlebnis. „Ich wollte immer schon mal erleben, wie die Geschmacksrichtungen getanzt aussehen“, sagt er.